Freitag, 18. März 2016

Camellia japonica





2015 besuchten wir für ein paar Tage Dresden und auf dem Weg nach Schlesien hielten wir bei den drei kleinen Elbschlösschen um das Lingnerschloss. Beim Spaziergang durch Schloss Eckberg kamen wir zu einem kleinen Gewächshaus, das mit einer über 80jährigen Kamelie ausgefüllt war, über drei Meter hoch und voller Blüten. Der zuständige, sehr nette Gärtner erzählte uns, dass sie aus einem Steckling der berühmten Pillnitzer Kamelie entstanden ist und am Ende hatten auch wir einen kleinen Steckling im Kofferraum, der jetzt auf unserer Terrasse begonnen hat zu blühen.
Hier einige Zitate aus dem Netz dazu:
Die Pillnitzer Kamelie ist eine der ältesten in Europa befindlichen Kamelien (Camellia japonica). Mittlerweile über 230 Jahre alt, hat sie eine Höhe von etwa 8,90 Metern und einen Durchmesser von fast 11 Metern erreicht. Während ihrer von Februar bis April dauernden Blütezeit erscheinen bis zu 35.000 Blüten. Diese sind von karminroter Farbe, ungefüllt und ohne Duft. Die Pflanze befindet sich im Park des Schloss Pillnitz und wird vor Frösten durch ein fahrbares Gewächshaus geschützt.
Erste Exemplare der in Südost- und Ostasien beheimateten Kamelien wurden bereits im 17. Jahrhundert nach Europa gebracht. Nach einer weitverbreiteten, aber heute zunehmend bezweifelten Legende soll die Pillnitzer Kamelie als eines von vier Exemplaren von Karl Peter Thunberg von seiner Japanreise 1775 bis 1776 nach Kew Gardens in London mitgebracht worden sein ( hat uns der Gärtner auch erzählt ). Während eine der vier Pflanzen in London blieb, wurden die übrigen an andere königliche Gärten verschenkt. Ein Exemplar ging nach Schönbrunn, eine weitere wurde dem Berggarten in Hannover-Herrenhausen überreicht und die vierte soll in den 1780er Jahren an den Hof von Dresden gelangt sein. Wenn diese These zuträfe, wäre die Pillnitzer Kamelie das einzige bis heute überlebende Exemplar der vier aus Japan mitgebrachten Kamelien.
Der Kamelienbaum in Pillnitz, bei Dresden, auf einer Postkarte, um 1900:
"Der Camelienbaum kam im Jahre 1739 von Japan nach Pillnitz. Stammumfang 150 cm. Höhe 7 m. Sein Unterhalt kostet jährlich ca. 800 M." (Text auf der Postkarte)
1801 wurde sie nachweislich durch den damaligen Gärtnergesellen und späteren Hofgärtner Carl Adolph Terscheck an die Stelle im Park des Schlosses Pillnitz gepflanzt, an der sie sich noch heute befindet. Während man sie anfangs noch im Winter mit Stroh- und Bastmatten bedeckte, wurde sehr bald für die Überwinterung ein beheizbares Winterhaus konstruiert. Im Januar 1905 brannte das hölzerne Schutzhaus durch eine Überhitzung des Heizhauses ab. Da das Löschwasser bei den damals herrschenden Temperaturen von minus 20 Grad Celsius zu einem Eisberg gefror, überlebte die Pflanze den Brand. Sie trieb bereits im folgenden Frühjahr wieder aus.
Neuere Forschungen widerlegen zunehmend die bisher vorgebrachte These, wonach die Pillnitzer Kamelie eines der aus Japan von Karl Peter Thunberg mitgebrachten Exemplare sei. Trotz rigoroser Buchführung wurden z. B. in Kew Gardens keine Pflanzen verzeichnet, die von Thunberg gesendet oder übergeben wurden. Gesichert ist jedoch, dass die Pillnitzer Kamelie zwischen 1770 und 1790 an den Dresdner Hof gelangte und hier 1801 eingepflanzt wurde. Auch ist erwiesen, dass sie die älteste europäische Kamelie nördlich der Alpen ist.
Auch wenn die Presse gegenteiliges berichtete, ist die Herkunft bisher ungeklärt. Eine 2009 festgestellte phänotypische Gleichheit der drei ältesten Kamelien in Europa, die sich in Caserta (Italien), Campobello (Portugal) und Pillnitz befinden, hinsichtlich ihrer morphologisch-botanischen Parameter von Blatt und Blüte sowie molekularen DNA-Marker, weist auf eine vegetative Vermehrung, also über Stecklinge, dieser drei Pflanzen hin.Eine große genetische Ähnlichkeit mit diesen Exemplaren in Italien und Portugal sowie einer Kamelie aus dem botanischen Garten Greifswald wurde ebenfalls in einer weiteren, mehrjährigen Studie der TU Dresden 2015 festgestellt.
Monography of the Genus Camellia Or: An Essay on Its Culture, Description … By Lorenzo Berlèse 1838
The Camellia placed in unconfined earth, without protection, is not capable of resisting, a temperature lower than from 38 to 41; consequently it would be a useless experiment, to attempt, in the climate of Paris, to ex-pose it to a greater degree of cold. If the winter should be mild, it may be preserved, beyond a doubt, vegetate well during the summer, and oller a beautiful appearance in autumn; but the frequent variations of the atmos-phere, at that period, would cause the buds to fall off. In warm climates, in a northern exposure, where it can be screened from the sun, and in a soll which is tongenial, the Camellia would become a mag-nificent tree, and present, at the time of its florescence an enchanting aspect. This prospect can be enjoyed at Caserta, near Naples, where there is culti-vated, in the royal domains, a Camellia, which was planted in 1760. It is more than 40 feet high, and occupies, with its lateral branches, a space more than twenty feet in circumference. lt is covered with thousands of blossoms in the spring, to which succeeds an abundant fructification, affording the means of infinite multiplication. We have often visited that admirable tree, and to perpetuate the recollection, we designed and colored it upon the Spot, with all the exactness, which our feeble powers would allow. We presented the original painting to our master and honorable colleague, Mr. De Lan-dolle, the elder. tree at Caserta, did not bloom until 1831, and we have two plants, which were produced from those seeds, that flowered for the first time in 1836, which was more than fifteen years after they were planted.
Lady Hamilton, Caserta e la Camelia “Atroviolacea”
Gianmario Motta, Società Italiana della Camelia, Vice-Presidente
Nicola Tartaglione, Architetto in Napoli, conservatore di Villa Porfidia
A Recale, presso Caserta, nell’antico giardino dei Duchi di Guevara, è stato trovato un esemplare di C. Japonica a fiore rosa-viola, identificata dagli appassionati locali con il nome di “Atroviolacea”, antica e rara varietà. L’articolo ricostruisce la storia del giardino di Recale e valuta le possibili identificazioni della varietà; è una versione (non una semplice traduzione)  dell’originale inglese pubblicato dagli stessi autori nell’International Camellia Journal 2003.
Il medico tedesco della Compagnie delle Indie Andreas Cleyer (1634-1697), di ritorno da Nagasaki, descrisse nelle Miscellanea Curiosa del 1689 trenta specie vegetali giapponesi, tra cui per la prima volta  una pianta detta ‘Tzumacky’ traslitterando da giapponese il nome riferito alla nostra Camelia japonica e fornendo la prima illustrazione occidentale della pianta.



Die ersten schriftlich nachgewiesenen lebenden Kamelien in Europa wurden 1739 in den Gewächshäusern von Robert James, Lord Petre in Thorndon Hall in Essex gezeigt. Vermutlich stammten sie aus China und kamen durch Jesuiten-Missionare oder englische Kaufleute bzw. Seefahrer hierher. Zwei Zeichnungen zeigen die roten Blüten dieser Kamelien.
Die Kamelien in Campo Bello, bei Porto, Portugal
Am Ufer des Duoro, gegenüber von Porto, gibt es in Vila Nova de Gaia einen Garten mit drei (1985), ursprünglich vier, sehr alten Kamelien, die im Park des Casa dos Condes de Campobello stehen. Heute stehen leider nur noch zwei der alten Exemplare.
Dr. F. G. Meyer schrieb 1959:
    "The old Trees of the Villa Nova de Gaya in Opporto, evidence indicates, are the oldest specimens of Camellia japonica in cultivation, yet recorded in europe. Old family archives of the Conde de Campo Bello, present owner of the villa, indicate that three living plants of C. japonica from Japan were planted in the garden about the middle of the 16th centuiry...".
(cited in T. Savige).


Freitag, 11. März 2016

Spielkarten

nach vier Büchern in den letzten drei Monaten musste ich mal was anderes tun und habe mir endlich drei Spiele aus den späten Achtzigern fertig drucken lassen. Das erste heißt "Springer sind angesagt"


das nächste heißt Mensch-Eimer-Sau:





das Aufwändigste ist sicher "Venus & Villendorfsche"






Dienstag, 26. Januar 2016

Erstes 6-Têtes 1989

Durch Zufall fielen mir heute zwei langvermisste Fotos aus den Anfängen der Kölner Boulezeit in die Hände. Das erste zeigt meine Entwürfe für einen Pokal fürs 6-Têtes aus dem Jahr 1987, gefertigt von Kai.Wir hätten ihn eigentlich behalten sollen mit immer neuen Inschriften, haben ihn aber wohl irgendeinem frühen Sieger mitgegeben.


Das erste Turnier fand dann zwei Jahre später 1989 im Friedenspark ( früher: Hindenburgpark ) mit fünfzehn Mannschaften statt. In diesem Jahr werden wohl wieder um die 600 Leute den Weg nach Köln finden.

Die Brille sollte, wenn ich mich nicht irre, zu Jürgen Berke gehören.

Montag, 18. Januar 2016

Orbis televisionis pictus

in den Neunzigern war diese Serie meine mich beherrschende Umgebung. 1992 erschien in Form einer richtigen Videocassette der Ausstellungskatalog "Orbis televisionis pictus"

ISBN: 9783925551390, in Deutsch, Siegburg Rheinlandia Verlag ( neu & gebraucht noch erhältlich )






Pläne für weiterführende Bücher waren schnell da und Vorbereitungsarbeiten auch schon angelaufen, doch erst jetzt, wo klar ist, dass kein normal kalkulierender Verlag diese Bücher wagen würde, habe ich mich entschieden, sie als Einzelstücke, als Books on Demand nach und nach, bei Blurb zu veröffentlichen.

Mitte Dezember erschien:

Mr. Big Bang
eine Schule der Sprenglebendigkeit ( a school of explosiveness )
2015, 210 Seiten
   
    Biggest section of the drawing series Orbis TV Pictus of German artist Hartmut Zänder. 195 works pointing to the first 24 films of James Bond. Works from 1992 to 2013.





noch im letzten Jahr erschien dann:

Laß springen, Leni!
eine Schule der Springlebendigkeit
2015, 168 Seiten
   
    "Laß springen, Leni!" ist als Bilderbuch Teil der Zeichnungsserie Orbis televisionis pictus. Es befasst sich mit Filmen von und mit Leni Riefenstahl, Arnold Schwarzenegger, Buster Keaton und etlichen anderen. Es ist als eine philosophische Schule der "Springlebendigkeit" gedacht sowie einer Art visueller Kulturkritik. Der Inhalt ist nahezu identisch mit der englischsprachigen Version "Hasta la vista".





eine englisch-sprachige Version ist noch in Arbeit, Titel: Hasta la vista




nun ist das vierte und wohl letzte Buch zu der etwa 800 Arbeiten umfassende Zeichnungsserie erschienen:

La Belle et la Bête - TV_Manga
vom Umgang mit der Wildnis / a look upon japanese TV
2016, 180 Seiten

Zwei unterschiedliche Blicke auf das europäische und das japanische Fernsehen, auf Filme aus den Jahren 1993 - 98. Das Buch "La Belle et la Bête" wird normal von vorne gelesen, das Buch "TV_Manga" mit einem eigenen Cover von hinten.


Mittwoch, 18. November 2015

Boelongan-Zusatz: Wie geht Gamelan und wie kommt man dazu?

Seit ich 1999 mit dem Gamelanspielen begann, werde ich wieder und und wieder gefragt, wie man dazu käme. Der Hinweis auf ein Jazzstück „Gammel up“ mit meiner vorigen Band reichte als Erklärung noch nicht aus, wie so oft liegt die Antwort in der frühen Kindheit.
Ich lernte meine „Tante Cläre“ 1957 kennen, als sie mit ihrem Mann, Dr. Moritz Kurt Wohl aus Bandung nach Wermelskirchen zurückkam und Kontakt zu ihrer weit verstreuten Verwandtschaft suchte. So verbrachte ich in den nächsten Jahren etliche Wochenenden in der Dürholtschen Villa voller javanischer Wandbehänge, chinesischer Möbel, holländischer Bücher und balinesischen Schnitzereien. Gamelan konnte ich nicht hören, denn sie hatten keinen Plattenspieler und auch keine Instrumente. Und doch muss ein kleiner Same einer kolonialen Sehnsucht in meinen Leib gepflanzt worden sein, der Jahrzehnte später zu keimen begann. Dafür gab es eine Fernsehtruhe mit einer transparenten Folie davor, die auf alle Bilder einen schmalen blauen Himmel, ein bißchen grüne Wiese und dazwischen ein zartes, erdiges Braun zauberte. Geguckt wurde jedoch so gut wie nie.
Sehr, sehr viel später hörte ich, dass sie im KZ Ravensbrück war, er in holländischer Gefangenschaft, doch darüber reden wollten sie eigentlich nie und die Erinnerung daran war eher schmerzhaft. Mehr erfuhr ich erst vor wenigen Jahren durch Armin Himmelrath, einem Journalisten aus Wermelskirchen, der im Rahmen des Bergischen Geschichtsvereins selbst Recherchen und Publikationen vorangetrieben und dafür gesorgt hat, dass Kurt Wohl einen von Demniks Stolpersteinen erhielt. Er machte mich auf die Existenz einer Gestapoakte im rheinischen Landesarchiv aufmerksam, die mich sehr neugierig machte. Die etwa 30 Briefe von den Wohls aus Java tat ich sehr schnell als zu privat, auch nicht besonders aussagekräftig zur Seite, aber die Verhörprotokolle meiner Tante und ihrer Mutter, die Zeugenaussage des Sulpiz Traine, einem Studiengenossen Wohls aus frühen Verbindungstagen und die Denunziantenbriefe der schlesischen Bäuerin drängten sich mir als mögliche Liedtexte auf. Verstörend waren auch in ihrer boshaften und gnadenlosen Vollständigkeit die minutiösen Auflistungen des Hausrats und der darin erkennbare Wille, jüdischen Mitbürgern nicht einen Hosenknopf zu lassen.
Sobald die Nazis an der Macht waren, hatten sie Kurt Wohl die Praxis geschlossen, sein Vermögen und die Rentenansprüche konfisziert und ihm netterweise bloß die Ausbürgerung vorgeschlagen. Er hatte meiner Tante 5000 Mark in bar übergeben, die über Holland nach Java sollten. Sie hatte schon alle Behördengänge hinter sich, einen Job in Aussicht, war mit ihrer Mutter beim Zoll, wo diese auch noch in die Pakete Geld steckte und wollte 1940 ihrem Kurt hinterher nach Java, als sie in Liegnitz von entfernten Verwandten denunziert und deshalb verhört wurde. Die Anklagepunkte Rassenschande und Devisenverschiebung brachten sie geradewegs für drei Jahre ins KZ Ravensbrück. Allerdings – wäre sie in Java angekommen, wäre sie ein paar Wochen später als Deutsche in einem holländischen Frauenlager interniert worden. Es ist zynisch, dass in seinem Reisepass unter der Rubrik Beruf ein „OHNE“ steht, er aber als Repräsentant Deutschlands mit seinem Sohn Werner für zwei Jahre ins Gefangenenlager Kotatjane gehen darf. Sie landen im sogenannten Verräterblock C, in den alle kommen, die nicht zu den etwa 2000 regimetreuen Deutschen gehören, also Juden, Schwule, Bibelforscher und Politische, alles Leute, die wohl in Deutschland auch im KZ geendet wären. Darunter war neben dem bekannten Bremer Kaufmann Hans Overbeck auch Walter Spies, 1895 in Moskau in einer weitverzweigten Industriellenfamilie geboren, Vertreter eines eigenwilligen magischen Realismus, musikalisch und sprachlich hochbegabt, den es in den 20ern nach Java verschlug, wo er vier Jahre lang am Sultanspalast von Yogya für Hamengku Buwono, den Siebten eine westliche Blaskapelle leitete, bevor er 1927 in Bali sein privates Paradies fand, dessen stilistische Rahmenbedingungen er auf Jahrzehnte mitprägte. Das Archiv der Walter Spies Gesellschaft befindet sich seit 2011 im Rautenstrauch Joest Museum, genauso lange, wie ich dort Gamelankurse gebe. Mir wurde während meiner Recherchen bald klar, dass Walter Spies nicht nur auf demselben Schiff, der „Van Imhoff“ unterging wie der Sohn Werner meines Großonkels, sondern dass es weitere vertikale Verbindungen zu ihm gibt.
Ein weiterer Vertreter des „Magischen Realismus“ war der erste Maler, den ich überhaupt mit zwölf Jahren kennenlernte, nämlich Anton Räderscheidt, ganze vier Jahre älter als Walter Spies. Mit seinem Sohn drückte ich jahrelang dieselbe Schulbank und verbrachte viele Samstage bei fremdem französischen Essen und noch fremderen Flüchen seiner Frau Giselle in seinem Haus in der Landsbergstrasse.
Mein erstes Wochenende 1999 im Gamelanhuis von Amsterdam bei Elsje Plantema verbrachte ich nachts zwischen den Instrumenten von Jaap Kunst, der mir damals nicht viel sagte. Ich mochte aber den schlichten, eleganten Stil, in dem er sich seine Instrumente hat bauen lassen. Im Walter Spies Archiv fand ich einen großen Ordner mit jahrelanger Korrespondenz der beiden, der mit Sicherheit noch nicht wissenschaftlich bearbeitet ist.
Bei einem Konzert auf der Hundertjahrfeier des RJM in 2001 lernte ich Made Hood kennen, der für vier Jahre in Köln blieb, um bei Rüdiger Schumacher, mit dessen Gruppe von Musikethnologen wir damals spielten, seine Doktorarbeit zu schreiben. Von ihm lernten wir viele balinesische Stücke. Er  übernahm dann die Leitung der Gruppe Bali Puspa um Nyoman Mindhoff. Sein Vater Kyai Mantle Hood war der bedeutendste Schüler von Jaap Kunst, der 1954 das erste komplette Gamelanorchester in die USA brachte. Er sorgte für einen regen Austausch von Musikern und Wissenschaftlern zwischen USA und Indonesien, wobei Pak Bandem, inzwischen Kultusminister, eine herausragende Rolle zuwuchs. Dessen Schwester Ni Nyoman Candri, eine berühmte Sängerin und Tänzerin, ist mittlerweile Made Hoods Schwiegermutter. Während einer ihrer zahlreichen Lehraufenthalte in Kopenhagen und Paris überließ sie mir 2002 den Text für mein Stück Saling asuh.
Von  Walter Spies sind mir keine Tonaufnahmen bekannt, aber das, was er zuerst gespielt hat, hören wir in den Klavierduetten von Colin McPhee und Benjamin Britten. Wir wissen, dass McPhee diese Transpositionen wohl von Spies gelernt hat und aus einer Liste mit Musiktiteln im Archiv geht hervor, dass beide das traditionelle Gender wayang Repertoire vorgefunden und studiert haben müssen, so wie es unser Mitspieler und Lehrer Andreas Herdy so gut wie vollständig im Kopf hat. Für mich steht fest, dass erst das jahrelange Einüben der komplexen und virtuosen Gender wayang Musik einen Liederzyklus wie Boelongan möglich machte. Der glückliche Zufall, dass wir zwei einzelne, versprengte balinesische Pemades in die vorhandene javanische Pelogstimmung bringen konnten, erlaubte uns einen sehr großen Bogen zu schlagen von balinesischen Umspiegelungen in Kebjar- und Gender wayang Technik über javanische Liedstruktur, über Kontrabass und Bläsersätze bis hin zu deutschen und englischen Texten.

Es gibt kein Entrinnen – beim Gamelan landest du immer auf deinem Hintern, beim genauen Hinhören und Mitspielen und es wird IMMER persönlich – und dafür liebe ich es!

Köln, November 2015

Donnerstag, 15. Oktober 2015

Textmaterialien zum Projekt Boelongan


Boelongan – alle Mitschriften aus der Gestapo-Akte RW 58-9326 ( Rheinisches Landesarchiv ) ab 07.07.1938 und aus Briefen, Postkarten und Fotorückseiten aus dem Walter Spies Archiv im Rautenstrauch Joest Museum Köln.

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Deutsches Konsulat Soerabaja
Chinesische Voorstraat 90
an die Gestapo Berlin

Reisepass 262
Beruf: ohne
Gestalt: mittel
Gesicht: länglich
Augen: blaugrau
Haar: grau
Kennzeichen: Brillenträger
Konfession: evangelisch
in Indien seit: 16.3.1939
Offizier der alten Wehrmacht EK1

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Gestapo 30.4.1940

DRINGEND SOFORT VORLEGEN - Haftsache Gestapo Düsseldorf

Betr.: JUDEN Dr. MED KURT WOHL aus Wermelskirchen, jetzt in Batavia

Am 27.5.1940 wurde hier die Sprechstundenhilfe Claere Zaender, geb. am 27.6.1901 zu Hirschberg, wohnhaft in Liegnitz, Luetowstraße 2 wegen dringenden Verdachts der Beihilfe zur Verschiebung juedischen Vermögens und der Rassenschande festgenommen. Die Zaender wollte in den nächsten Tagen nach Batavia auswandern, um dort den Juden Wohl zu heiraten. Wohl ist im Jahre 1939 von Wermelskirchen aus nach Niederländisch-Indien ausgewandert. Kurz vor seiner Auswanderung hat er der Zaender ungefähr 5000 Mark bares Geld und eine erhebliche Menge Moebel, Glas, Porzellan und andere Dinge angeblich geschenkt. Nunmehr wollte die Zaender alle diese Sachen mit nach Batavia nehmen.
-Was ist dort über Wohl und die Zaender, die jahrelang bei Wohl wohl Hausdame und Sprechstundenhilfe war, bekannt bzw zu ermitteln? Ist Wohl ausgebürgert? Es wird um kurzfristige Überlassung der dortigen Vorgänge gebeten. Für möglichst umgehende kurze FS-Nachricht und baldige Übersendung der Vorgänge wäre ich besonders dankbar, da die Angelegenheit eilt.

Stapo Liegnitz Roem 2B4, SB. Froelich

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Liegnitz 29.8.1940

Da die weiteren hiesigen Ermittlungen von dem Ergebnis der dortigen Ermittlung abhängen, bitte ich um baldige Erledigung der Angelegenheit. Die Zaender wurde nach Aufhebung des Haftbefehls dem Konzentrationslager Ravensbrück überwiesen.

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Gestapo Düsseldorf 28.8.1940

. . . ferner war Sulpiz Traine von Wohl gebeten worden, seine Forderung von 2000 RM an den früheren Rechtsanwalt Wahl aus Wuppertal-Barmen ein zu kassieren. Diese Forderung, ein Darlehen, kann jedoch nicht beigetrieben werden, da Wahl mittellos ist. Er bezieht vorübergehend von der Reichsrechtsanwaltskammer eine Unterstützung von monatlich 250 RM, die bedürftigen jüdischen Anwälten, die Kriegsteilnehmer waren, aus dem Einkommen der jüdischen Konsulenten durch die Kammer gewährt wird.

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Liegnitz 29.5.1940

. . . aus dem Inhalt der Koffer und Gepäckstücke, die die Zänder mitnehmen will, geht eindeutig hervor, daß sie tatsächlich die Absicht hat, dort den Juden zu heiraten. Sie nimmt z.B. Geschirr- und Kristallsachen, Bett- und Tischwäsche, Küchengeräte, Gardinen usw. mit, deren Anzahl vollkommen genügt, um einen Hausstand zu gründen. Auch die aus Mitteln des Juden gekaufte Schreibmaschine nimmt sie mit.
Besonders auffällig ist die große Anzahl der Kleider und Leibwäsche, z.B. 49 Paar Strümpfe.

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. . . von Dr. Wohl habe ich ein gebrauchtes Schlafzimmer bestehend aus:

einem eigenen Bett
einem Waschtisch
einem zweitürigen Schrank
einem Nachttisch
einem kleinen Tischchen
zwei Stühlen

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Folgende goldene bzw. silberne Gebrauchs- und Schmuckstücke habe ich von Wohl erhalten:
Einen goldenen Drehbleistift: 33
Einen Brilliantanhänger mit Kette: 31
Zwei Perlenohrringe: 36
Einen großen Brilliantring: 30
Ein silbernes Zigarettenetui: 32
Einen Ring mit zwei Brillianten: 33
Einen Trauring: 30
Einen Brilliantring mit grünem Stein: 30
Ein goldenes Kettenarmband: 33
Ein goldenes Gliederarmband: 33

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In meinem Besitz befinden sich seit der Auswanderung des Wohl folgende Edelmetallstücke, die auch heute noch dem Wohl gehören:

goldenes Armband
silberne Münze mit Hülle
drei goldene Uhrkettenanhänger
silberne Uhrkette
drei goldene Uhrketten
goldener Kettenring
goldener Siegelring
drei goldene Trauringe
eine goldene Schlipsnadel
zwei silberne Verbindungszipfel (rosa grün weiss)
ein silberner Verbindungszipfel (schwarz rot gold)

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14.6.1940

Ferner befinden sich in meinem Zimmer in der Wohnung meiner Mutter folgende ärztliche Instrumente, die dem Wohl gehören:

Eine Waage
Eine Sonne
Ein Multostat

Porzellangeschirr:

Sechs Bratenteller
Eine Suppenschüssel
Zwölf Suppenteller
24 Essteller
Zwei Kartoffelschüssel
Zwölf Abendbrotteller
Vier Gemüseschüssel
Zwölf Kompottteller
Zwei Sossengießer
Zwei Gemüseteller

Ferner habe ich von dem Geld einen Rollfilm-Fotoapparat gekauft.
Auch die in meinem Besitz befindliche Kassette und Schreibmaschine Marke Mercedes sind Eigentum des Wohl.

Ich gebe weiter zu, vorsätzlich das goldene Zehnmarkstück in die Cremedose versteckt zu haben, um es so illegal aus Deutschland heraus zu bringen.

Wenn ich in meiner Vernehmung am 11.6.1940 gesagt habe, daß ich mich bemühen will, von Wohl loszukommen, so muss ich hierzu sagen, daß mir dies natürlich nicht so schnell möglich ist. Ich hänge an diesem Menschen zu sehr und habe mit ihm zuviel erlebt und ihm auch zuviel gegeben, als daß ich nun mich plötzlich von diesem Menschen lossagen könnte. Ich verspreche jedoch, mich zu bemühen, Wohl zu vergessen, ob es mir jedoch gelingen wird, kann ich heute noch nicht sagen.

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15.6.1940 Mutter Louise

Wieviel Geld ich hineingetan habe, kann ich nicht genau sagen. Wenn mir gesagt wird, daß 82 Mark gefunden worden sind, so kann das stimmen.

Ich habe immer, wenn Stopfpapier gebraucht wurde in dieses Stopfpapier ein oder zwei Geldstücke hineingetan und so das Geld mit in die Kisten und Koffer ungesehen hineinbringen können. Auch habe ich ab und zu in Seidenpapier gewickelte Geldstücke einfach beim Vorbeigehen an den Kisten und Koffern in diese hineinfallen lassen.

Mir war bekannt, daß diese Kisten und Koffer dann nach Beendigung des Packens durch den anwesenden Zollbeamten plombiert würden und dann in Deutschland nicht mehr geöffnet würden, sodass das von mir dort hineingeschmuggelte Geld unbehelligt aus Deutschland herauskommen würde.

Denn ich wollte ja meiner Tochter, wenn sie in Batavia angekommen war, damit eine Freude machen, wenn sie auspackt und dann das Geld findet.

. . .

Heute sehe ich auch ein, dass aus diesem Umstande meine Handlungsweise mit dem eingeschmuggelten Gelde besonders verwerflich ist, da ich ja hierdurch indirekt auch dem Juden geholfen habe, denn dieser hätte ja auch einen gewissen Niesnutz von diesem Gelde gehabt.

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Ida Aulich 6.5.1940 Durch weitläufiges Verwandtenverhältnis tauchte hier in letzter Zeit Familie Zender, Liegnitz, Jauerstrasse wohnhaft hier auf. Da ich durch meine Schwiegertochter schon vergangenes Jahr von Frl. Zender sehr judenfreundlich sprechen hörte horchte ich in deren Gesprächsstoff. Da Frl. Zender als Sprechstundenhilfe angeblich ins Ausland, Batavia, Vorderindien geht in Wirklichkeit aber zu dem JUDEN, bei dem sie im Rheinland gelebt hat, wie ich heraushören konnte, muß zwischen den Menschen ein intimes Verhältnis bestehen. Der Jude hat ihr wohl Sachen und sein Geld gegeben um es dem Staate nicht herzugeben. Außerdem hörte ich daß Frl. Zender in Berlin gewesen sei um Dollars abzuheben. Von Fleisch, wo vielleicht Geldstücke hineingesteckt werden sollten mit auf die Reise. Ihren Briefwechsel hat sie stets über Holland geleitet. Personen, Namen konnte ich nicht erfahren. Ich halte es für meine Pflicht Ihnen das mitzuteilen. Entschuldigen Sie bitte wenn ich nicht vorschriftsmäßig in Ausdrucksweise bin. Mit deutschem Gruss gez. Ida Aulich, Altbäuerin

Ida Aulich 3.6.1940

Ich habe den Brief, der die Angelegenheit Zänder betrifft, geschrieben, da ich Sorge hatte, dass die Zänder im Auslande Sachen verraten könnte, die unserem Vaterlande schaden. Selber hab ich nichts gehört, sondern meine Schwiegertochter, Erna Aulich, geborene Lehmann, die auch hier in Aslau auf meinem Hof wohnt. Diese Tochter ist entfernt mit der Zänder verwandt. Die Zänder und ihre Mutter sind des öfteren zu uns gekommen und da haben sie mit meiner Schwiegertochter sich unterhalten und diese hat es dann mir erzählt. Näheres weiß ich auch nicht. Ich habe nur meine Pflicht als eine deutsche Frau tun wollen. Anderes, als ich in meinem Brief geschrieben habe, kann ich nicht aussagen. Es muß hierzu meine Schwiegertochter vernommen werden. Erna Aulich . . . Jedoch hat die Zänder dies mir nie zugegeben, daß der Mann in Batavia ein Jude ist. . . . Mir ist die Zänder nicht sehr sympathisch, da sie sehr viel redet und so fein tut.

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Sulpiz Traine 11.8.1937 Major der Res. a. D. Kommandeur des Bombengeschwaders IV DH2

Ich kannte Dr. Wohl als Student kaum, als ich in Freiburg in der freien Verbindung mit unbedingter Satisfaktion “Cheruskia” aktiv wurde. Wohl hatte 1897 die Verbindung mitgegründet. Er wurde der anerkannt schneidigste Fechter der Verbindung und hat namentlich in den schweren PP-Suiten, die damals zum Hineinpauken einer neuen Verbindung in die Waffenstudentenschaft nötig waren, voll und ganz seinen Mann gestanden. Als Fuchsmajor hat er während mehrerer Semester die Füchse in hervorragend, patriotischem kaisertreuen und einsatzbereiten Sinne erzogen, sodass ich bei meinem Eintritt einen vorzüglichen Geist in der Verbindung vorfand. Auch in körperlich-rassischer Hinsicht hat Dr. Wohl, dessen blonder Typ mit den klaren blauen Augen die semitische Anstammung nicht ahnen lässt nie rasseschädigend gewirkt, da die dunkelblonde Reckengestalt seines Sohnes, der seit 8 - 10 Jahren eine große Remscheider Ausfuhrfirma in Batavia vertritt, der dortigen Kolonie unzweifelhaft zur Zierde gereicht.

Während des Solos

Das Kommando zieht scharf:
Vom Tisch des Hauses auf den Boden,
vom Boden an den Hoden,
vom Hoden an den Nabel,
vom Nabel an den Schnabel,
senkrecht setzt an und sauft‘s! „
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Verlassen wir nun Deutschland und folgen Kurt Wohl nach Java.

Seit dem Juli 38 war er von der Gestapo zur Ausbürgerung vorgeschlagen, im September richtet der Bürgermeister von Wermelskirchen noch die Bitte an den Landrat in Opladen: „ . . . dass Dr. Wohl eine Bescheinigung einer deutschen Behörde beibringt, nach welcher es ihm gestattet ist, nach Deutschland zurück zu kehren, falls er bei seinem Alter das Klima nicht vertragen kann.“

Das deutsche Konsulat Soerabaja stellt ihm den Reisepass Nr. 262 aus.
Beruf: ohne
Gestalt: mittel
Gesicht: länglich
Augen: blaugrau
Haar: grau
Kennzeichen: Brillenträger
Konfession: evangelisch
in Indien seit dem 16.3.1939
Offizier der alten Wehrmacht EK1

Er wohnt bei seinem Sohn Werner, dessen Frau Marga und dem zweijährigen Hans in Soerabaja, arbeitet ehrenamtlich an einem Krankenhaus, schreibt in der Wartezeit etwa 30 Briefe an seine „innig geliebte Herzensfrau“.

Am 10ten Mai 1940 überfällt Deutschland Holland und löst damit als Revanche die Gefangensetzung aller Deutschen in Niederländisch-Indien aus. Bis in die entlegensten Distrikte tickert das verabredete Codewort „ Berlijn“ und innerhalb von 24 Stunden werden alle etwa 5000 Deutschen verhaftet und nach und nach in zwei Internierungslager in Zentraljava gebracht. Am 10.8. geht es für die etwa 2600 Männer per Schiff weiter nach Nordsumatra ins Malariagebiet Alas Vallei, ins Lager Kotatjane, wo sie in sechs verschiedenen Blöcken untergebracht werden. Bald schon gibt es Krach unter den Gefangenen, die ca 2000 regimetreuen Deutschen wollen unter sich sein und so landen all die ausgegrenzten Bibelforscher, Schwule, Juden und irgendwie Kritischen im so genannten Verräterblock C. Darunter waren unsere beiden Wohl's, der bekannte Insektenforscher und Geschichtensammler Hans Overbeck, den es bereits 1904 als Kaufmann aus Bremen nach Java gezogen hat und der Maler und Musiker Walter Spies. Der durfte malen, musizieren, er gab einigen Mithäftlingen Russischunterricht und viele seiner Briefe und Postkarten sind erhalten.

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Hans Overbeck

"New notes on the Game of Chongkat"

Singapore 1915

hints:

1. It is always advisable to avoid accumulations of seeds in one's own kampong.
If your turn comes, always begin with the biggest pile in your kampong, when towards the end of the game, calculation advises otherwise.
It is profitable for your rumah.

3. Do your utmost to get the last move in the game. It gives you the start of the next game, which has many advantages.

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W.S. ( auf der Rückseite eines Fotos, das Walter Spies vor einem Ficus, dem traditionellen Banyarbaum zeigt )

Ich und der Urwald"

Es ist eine Freude
sich unter Luftwurzeln zu lüften
Besonders die Hüften
Mit ihren Düften
und ihren Süchten
nach Gerüchten!

Könnte man in Berliner Schlüchten 
Luftwurzeln züchten?
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Brief an Ole C. Gotsch, Soerabaya 11.7.1939 (nach den 8 Monaten Haft)

. . . All that sounds very „bunt“ durch meinen Mund, but in reality it isn’t. There is some kind of Oneness in the disharmonies, something common in the quality of sound produced! Nothing falls through, nothing strikes out. Everything is very concrete and resounding noisily and that’s why it should be played by a brass band!

kisses and trumpets yours Walter

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W.S. Dearest Jane,

Yes, here I am, behind grey walls and grey curtains of rain.

but perhaps there is also something good in it. Recently I was too much surrounded by guests and tourists. Everybody was turning up with a letter of introduction and stole my time. Perhaps I lost not only my time, but above all myself. These few months have shaken me completely, which is maybe good.

By the way, that’s why medicine-bottles always have a label with the introduction:

Shake before use!

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W.S. Kotatjane 23.5.1941

. . . hier dieselbe Eintönigkeit. Bin wieder am Portraitmalen, zwei letzte zufriedenstellend. Beabsichtige wieder, Insektenzeichnungen zu beginnen. Ist in Batavia ein Zeichenprisma zu erhalten, das Gegenstände projektiert, um genau nachzuzeichnen?
Material geht wieder zu Ende!
Großen Dank, wenn du schicken könntest:
2 große Zeichenblocks,
6 weiße Bleistifte,
Wasserfarbentuben: Weiß, Schwarz, Vermillion, Gebrannte Sienna, Dunkelbraun.
Schade, keine Stabilos mehr erhältlich, wie steht es mit Temperafarben oder Plakafarben?

Spiele manchmal Klavier: Bach, Frescobaldi; ärgere mich über Brahms, nichtssagende Grieg Violinsonate.

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W.S. an Hen 15.7.1941

Liebe Hen,

Heute schicke ich dir das Urwald-Bild, für Marianne bestimmt. Habe es nur gerollt versandt, sonst zu schwer und zu teuer! Sage Marianne, daß sie es aufspannen lassen muß auf einen Rahmen 60 x 80 cm groß. Ich hoffe, daß es gut ankommt. Es hat noch nicht den letzten Firnis erhalten, dies darf erst in einem halben Jahr geschehen. Matte, aufgetretene Flecken können mit Retouchierfirnis behandelt werden. Habe noch keine Nachricht, ob du das Nebel-Bild schon empfangen hast, ich hoffe, daß es dir gefällt. Bin wieder mit zwei neuen beschäftigt.
Hier ist immer dieselbe Eintönigkeit und nutzlose Langeweile.

Aber im Ping-Pong wirst du mich nicht mehr schlagen können!

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19.9.1941 an Hen

Große Bitte:

einziges Klavier in unserem Block alt, kaputt, zerbrechlich! Darf nur zwei Stunden pro Woche darauf spielen. Also Technik sehr zurück!
Deshalb folgende Bitte:
würde es möglich sein, eine Klaviatur von abgedankten altem Klavier zu kaufen und umarbeiten zu lassen als stumme, tonlose Klaviatur ohne Hämmer? Klaviatur Sadja ( mal. nur ) wovon jede Taste durch eine Feder ( oder Gewicht ) zurückspringt, muß abgestellt werden auf ca. 55 gr. je Taste. Klavierhandel Bauer weiß alles darüber. Sehr gern, wenn du fragen kannst, besonders den Preis. Würde viel Geld dafür sparen können; taubstumm herrlich viel lautlos üben, die zwei Stunden pro Woche würden genügen für Klangspiel.

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aus dem letzten Brief von W.S. an Dr. A. von Goor und Dr. P. van Wulfften-Palthe

. . . ich bin jetzt dabei, die Stimmen des Orchesters auszuschreiben - ich habe die Orchestration noch einigermaßen in den Ohren - und wir werden versuchen, es hier mit meinen bescheidenen Mitteln aufzuführen. Das Einüben macht mir viel Freude, ich hoffe, es Euch einmal vorspielen zu können.

Welch fröhlichen Zeiten gehen wir entgegen!

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Nach Pearl Harbour am 7.12.1941 mussten die Holländer einen japanischen Angriff auf Indonesien befürchten und beschließen, ihre deutschen Kriegsgefangenen außer Land zu schaffen. Sie besorgen sich drei Rote Kreuz Flaggen, bringen die Lagerinsassen in den Hafen von Sibolga, wo schon bald die 2000 „Guten Deutschen“ auf der Ophir und der Plancius, eskortiert vom Kreuzer Java erfolgreich nach Ceylon aufbrechen.

Die dritte Flagge, eigentlich für unsere Freunde vom Verräterblock C vorgesehen, wird unter der Hand für Holländer verwendet, die sich damit nach Australien in Sicherheit bringen und so braucht es noch eine bange Zeit, bis sich in der „van Imhoff“ ein Frachter findet, der das Wagnis eingeht, ohne sichtbaren Schutz Gefangene zu transportieren. Im Zwischendeck wird ein riesiger, ein Meter hoher Drahtverhau errichtet, in den der Großteil der Gefangenen gepfercht wird, ein kleiner Rest muss aufs Oberdeck. Am 18ten Januar 1942 verlässt die van Imhoff Sumatra. Kurt Wohl wird im letzten Augenblick wegen eines medizinischen Notfalls vom Schiff geholt und bleibt in Sibolga.

Am nächsten Tag erspäht ein japanischer Flieger den Frachter und bombardiert ihn. Eine Bombe explodiert so nahe neben dem Schiff, dass dessen Flanke aufgerissen wird und es zu sinken beginnt. Es gibt sechs Rettungsboote an Bord, jedes für 50 – 60 Mann gedacht. Die etwa hundert holländischen Besatzungsmitglieder lassen alle bis auf eins, das sie auf die Schnelle nicht losbekamen zu Wasser und flüchten, kurz nachdem Kapitän Hoeksema den Gefangenen noch versichert hat, der Schaden sei gering und bald behoben. Durch die Bullaugen sehen einige die fünf Boote in der Ferne verschwinden. Wenigstens hat ein Offizier den Gefangenen noch den Schlüssel zu ihrem Verhau zugeworfen und denen vom Oberdeck gelingt es schließlich, das letzte Rettungsboot klar zu machen, auf dem zum Schluss 78 sich vom schnell sinkenden Schiff entfernen und versuchen, wieder die Küste von Sumatra zu erreichen. Alle übrigen sind verloren.

Ein Augenzeuge berichtet später, Hans Overbeck und Walter Spies hätten sich nicht am allgemeinen panischen Gerangel beteiligt, sondern wären ruhig, mit einer letzten Pfeife in der Hand in ihrem Verschlag sitzen geblieben.

Am nächsten Morgen werden die Überlebenden von einem holländischen Flugzeug und einem weiteren Frachter entdeckt, der Boelongan. Als deren Kapitän jedoch erfährt, dass keine Holländer an Bord sind, dreht sie sofort wieder ab, ohne auch nur der Bitte nach Trinkwasser nach zu kommen. Das Rettungsboot schafft es dennoch bis zur Insel Nias, wo die Männer nach einigen Turbulenzen sogar die deutsche Republik Nias errichten.

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Cläre Zänder versucht seit 1943 nach ihrer Entlassung aus dem KZ Ravensbrück, ihren Kurt zu finden. Ende 1947 bricht sie endlich nach Java auf. Sie heiraten ein Jahr später, betreiben gemeinsam eine Praxis in Bandung und kehren 1957 nach Wermelskirchen zurück.